Kontrollen im FfV-Verfahren

Einleitung

Im Rahmen des FfV-Verfahrens werden Saatgut bzw. Pflanzenpartien auf ihre Abstammung hin überprüft. Nach Vereinbarung mit PEFC werden 5 % der zertifizierten Ernten stichprobenweise mit Hilfe verschiedener Genmarker untersucht, tatsächlich wurden seit Gründung des FfV jedoch rund 10 % überprüft. In einigen Fällen diente zertifiziertes Saatgut bei anderen wissenschaftlichen Fragen zum Vergleich und konnte daher kostenneutral mit untersucht werden. Dies wird wahrscheinlich auch in Zukunft so gehandhabt.

Bei den routinemäßigen Prüfungen oder auch bei von Waldbesitzern geäußertem Verdacht geht es grundsätzlich immer um die Frage, ob die Abstammung von Forstpflanzen aus der angegebenen Saatgutpartie widerlegt werden kann. Abstammung kann man nicht mit wissenschaftlichen Methoden beweisen, sehr wohl aber widerlegen. Es wird daher mit den zur Verfügung stehenden wissenschaftlichen Methoden versucht, nachzuweisen, dass Forstpflanzen nicht aus der angegebenen Saatgutpartie stammen können. Wenn dies – wie in den meisten Fällen – nicht gelingt, so ist der Test abgeschlossen und genügt den Anforderungen von PEFC / FSC und FfV. In manchen Fällen kann die Abstammung jedoch widerlegt werden. In Zusammenarbeit mit den Betroffenen wird dann der Fehlerursache nachgegangen.

Auch bei längeren Handelsketten ist der Betrieb bekannt, der die Verwechslung zu verantworten hat. FfV setzt sich daraufhin mit diesem in Verbindung und vereinbart zunächst eine Wiederholung der Untersuchung. Dabei wird i.d.R. zusammen mit dem Waldbesitzer und Baumschuler eine erneute Probennahme durchgeführt und protokolliert. Anschließend wird das Material nochmals untersucht. Wenn sich der Verdacht bestätigt, so verliert die gesamte betroffene Pflanzenpartie ihr Zertifikat. In dem Fall, dass die Ware an mehrere Waldbesitzer verkauft wurde, setzt sich verursachende Baumschule mit diesen in Verbindung und informiert über den Verlust des Zertifikates.

 

Ablauf von Untersuchungen im FfV-Verfahren

Beispiel 1. Überprüfung von Douglasien zweier Baumschulen aus derselben Saatgutpartie

Ein staatlicher Forstbetrieb gab Koniferen-Saatgut einer einzigen Saatgutpartie an zwei Baumschulen zur Lohnanzucht. Das Material war zertifiziert. Bei Lieferung der Pflanzen zeigten sich erhebliche Qualitätsunterschiede, so dass eine Überprüfung beantragt wurde. Dazu wurden von drei Kulturen (grün), welche von Baumschule 1 und von 2 Kulturen (rot), welche von Baumschule 2 geliefert wurden, Proben gezogen und im Labor mit der FfV-Rückstellprobe verglichen.

Für die Untersuchung wurden Isoenzym-Genmarker verwendet. Die Ergebnisse an drei Genorten sind in der Abbildung 1 beispielhaft dargestellt, insgesamt wurden 12 Genorte untersucht. Es zeigte sich, dass die Häufigkeitsverteilungen augenscheinlich „etwas unterschiedlich“ sind. Ein Homogenitätstest ergab jedoch an keinem der untersuchten Genorte signifikante Unterschiede. Daher kann die Hypothese, dass die weniger gelungenen Pflanzen der Baumschule 2 (rot) nicht aus der angegebenen Saatgutpartie stammen, nicht widerlegt werden.

Beispiel 2. Überprüfung von Eichenpflanzen zweier Baumschulen aus demselben Erntebestand

Ein staatliches Forstamt besitzt einen großen, zur Beerntung zugelassenen Eichenbestand. Die Ernte wurde an zwei verschiedene Baumschulen vergeben und musste zertifiziert werden. Im Gegenzug vereinbarte das Forstamt mit den beiden Baumschulen den Kauf von Pflanzen aus diesem Bestand. Nach der Pflanzung war das Forstamt in beiden Fällen sehr zufrieden mit der Qualität der gelieferten Ware, dennoch unterschieden sich die Pflanzen in ihrem Aussehen, so dass eine Untersuchung beantragt wurde.

Dazu wurden Blattproben jeweils einer Kultur der beiden Baumschulen mit den FfV-Rückstellproben verglichen. Dazu wurden die bei der Eiche für schnelle und kostengünstige Untersuchungen gut geeigneten Haplotypen, die nur den mütterlichen Erbanteil beinhalten, untersucht. Es zeigte sich, dass die beiden Rückstellproben den Haplotyp 1 zu 100% aufweisen (Abbildung 2 links). Dies ist typisch für Eichenbestände, sie besitzen i.d.R. nur einen einzigen vorherrschenden Haplotyp, selten auch einen zweiten, jedoch in meist geringeren Häufigkeiten. Der Vergleich mit den Blattproben aus den beiden Kulturen gibt erste Hinweise auf eine Verwechslung (Abbildung 2 Mitte). Die Pflanzen der ersten Baumschule weisen zu 50% den Haplotyp 12 auf, welcher im Erntebestand nicht oder nur in geringen Anteilen vorkommt. Aufgrund dieses Befundes wurde eine erneute Beprobung durch den Baumschuler und den zuständigen Revierleiter durchgeführt. Dabei wurden drei Kulturen beprobt und das Material erneut untersucht (Abbildung 2).

Die Abstammung der Pflanzen der beiden ersten Kulturen kann nicht widerlegt werden. Die Pflanzen der dritten Kultur weisen jedoch erneut den Haplotyp 12 mit großer Häufigkeit auf, damit gilt die Abstammung als widerlegt und eine Verwechslung als sehr wahrscheinlich. Die Baumschule wurde mit dem Ergebnis konfrontiert und gebeten, die Verwechslung aufzuklären. Es stellte sich anhand des vorschriftlich geführten Quartierbuches unzweifelhaft heraus, dass versehentlich ein Nachbarquartier gerodet und verkauft wurde. Dabei handelte es sich jedoch um dieselbe Eichenart und Herkunft. Aufgrund der guten Qualität der gelieferten Pflanzen wurde der Fall zwischen Forstamt und Baumschule einvernehmlich gelöst und die Pflanzen in den Kulturen belassen, da kein Schaden entstanden war bzw. zu erwarten ist.

 

Übersicht über Untersuchungen im FfV-Verfahren

Die Ergebnisse aus den Untersuchungen im FfV-Verfahren lassen sich für den Zeitraum der letzten Jahre wie folgt zusammenfassen: Für den überwiegenden Anteil der geprüften Proben konnte die Abstammung nicht widerlegt werden, die zertifizierte Ware entsprach den Anforderungen von PEFC / FSC und FfV. In wenigen Fällen konnten Verwechslungen nachgewiesen und sämtlich aufgeklärt werden. Diese Verwechslungen waren durch den „normalen“ Ablauf in den Baumschulen zu erklären: In einer sehr kurzen Zeitspanne muss das Material gerodet, sortiert, verpackt und versandt werden. Die Arbeitskräfte in einer Baumschule sind jedoch limitiert, so dass unter Zeitdruck und bei langen Arbeitstagen Fehler passieren können. In einem einzigen Fall sollte Material zertifiziert werden, welches nicht existieren konnte. Nach Rücksprache mit dem Baumschuler wurde der Antrag auf Zertifizierung zurückgenommen.

Zuletzt geändert am 7. August 2017